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Restauration

Kaufzustand

kaufzustand Als ich im Herbst 2003 meinen ersten Mercedes Benz erwarb, hätte ich mir nicht träumen lassen, welche Arbeiten erforderlich sind, um ein 20 Jahre betagtes T-Modell in einen guten Zustand zu versetzen. Ingesamt nahm die Restaurierung 16 Monate in Anspruch; wobei die Unzuverlässigkeit des Lackierers die größten Verzögerungen mit sich zog. Die Fotos der Bildergalerie geben den Kaufzustand in etwa wieder. Zwar lief der Turbodieselmotor, doch, wie sich schnell erwies, lediglich auf vier, statt der fünf Zylinder. Aufgrund einer Laufleistung jenseits von 300.000 Kilometern war der Benz schlichtweg verlebt.

Der Weitsicht des Auto-Händlers Jens Heidrich ist es zu verdanken, dass das T-Modell überhaupt noch einmal zum Verkauf in Deutschland angeboten wurde. In erster Linie deshalb, weil der w123er seinerzeit ein Jahr TÜV hatte. Ansonsten wäre der 3-Liter-Turbodiesel-Motor in ein G-Modell eingebaut worden.


Ausgangszustand „Dreiminus“

So richtig kaputt war der Wagen nicht. Er sprang tadellos an, lief einigermaßen und augenscheinlich war auch so gut wie nichts ramponiert. Doch nach dem wir den Benz genauer unter die Lupe nahmen, stachen mehr und mehr Stellen ins Auge, die Handlungsbedarf erforderten. Bei der Restauration im Vordergrund stand, den Turbodiesel nicht nur in einen alltagstauglichen Zustand zu versetzen sondern ihn obendrein bis ins Oldtimer-Alter erhalten (und fahren) zu wollen. Die Kostenüber-legungen hierzu erreichten schnell unwirtschaftliche Größenordungen.
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Dennoch wurde in allen Bereichen der Restaurierung ebenso viel Sorgfalt an den Tag gelegt, wie dies üblicherweise bei historischen Sportwagen oder Cabriolets der Fall ist. Sei es drum, heute präsentiert sich „Onkel Tom“ in einem exzellenten Zustand - jeder finanziellen Vernunft zum Trotz - dafür ist er eine Augenweide, wie ich finde.

Restauration – die ersten Schritte

Alle Arbeiten und Austauschteile hier aufzuzählen, würde zu weit führen. Zugegebenermaßen fiele es mir als wenig Kfz-Sachkundiger auch schwer, eine vollständige Abhandlung der Restaurierung wieder-zugeben. Einzig meinem Freund Martin Strakerjahn ist es zu verdanken, dass die Arbeiten derart umsichtig und kompetent vorgenommen wurden. Insbesondere beim Neuaufbau des Turbomotors ist ihm ein wahrhaftiges Meisterstück gelungen. Mit dem Meinung „schöner als neu“ sollte man wohlüberlegt umgehen: Allerdings lassen sowohl der optische und technische Eindruck dieses Urteil als angemessen erscheinen.

Instandsetzung Original-MB

Der rechte Kotflügel wurde gegen ein Original-MB-Ersatzteil getauscht. Auch die Fahrertür befand sich in einem desolaten Zustand. Hier entschieden wir uns zum Austausch einer guten gebrauchten, weißen Tür. Nachdem alle Zier- und Verkleidungsteile entfernt waren, fielen die Blicke auf diverse unschöne Roststellen, die in der Folge in einer Mercedes-Veteranen-Fachwerkstatt geschweißt und für das Lackieren präpariert wurden. Dann begab sich „Onkel Tom“ auf den Weg in ein monatelanges Exil: Der Lackierwerkstatt. Die Wartezeit von zehn Monaten nutzte
instandsetzung
Martin dazu, den Motor in sämtliche Einzelteile zu zerlegen. Neue Kolben wurden bestellt und die ersten sichtbaren Teile erfuhren eine Glasperlstrahlung. Die Lichtmaschine, der Motorblock und alle Aggregate wurden u.a. demontiert und ebenso wie unzählige andere Motoreinzelteile für das Eloxieren vorbereitet. Das Getriebe, das wir vorfanden, entstammte einer früheren Bauserie. Das Original-Getriebe war demnach von einem der vier Vorbesitzer ausgetauscht worden. Die Suche nach einem guten Automatic-Getriebe der dritten Serie erwies sich als äußerst zeitraubend. Endlich wurden Martin und ich fündig und machten auf diese Weise die Bekanntschaft mit dem Münchener TDT-Fan Andy Hempel, der inzwischen zu meinem Freundeskreis gehört.

Ersatzteilbeschaffung en Massé

martin Die Suche nach gut erhaltenen Echtledersitzen in blau, inklusive Mittelarmlehne, brach ich nach einem Vierteljahr intensiver Suche erfolglos ab. Im 123er-Forum gab mir (der spätere Verkäufer) den Tipp ein Fahrzeug mit der begehrten Ausstattung zu erwerben und kurzerhand gegen die MB-Tex-Sitze zu tauschen. Kein schlechter Ratschlag, muss ich gestehen. Quasi ein Insider-Tipp. Auf diese Weise kam ich in den Besitz eines dritten w123ers, einem 280 TE, der mir im Jahr 2004 ein treuer Gefährt werden sollte. Nebenbei verfügte der 280er über rare 15-Zoll-Barrok-Felgen der w126er S-Klasse,
die dem Turbo heute prima zu Gesicht stehen. Es folgte der Kauf einer fabrikneuen Frontscheibe. Zebrano-Holzteile erstand ich via eBay und verbrachte einige Monate damit, nach diversen Requisiten Ausschau zu halten.

Ein perfekt erhaltenes Lederlenkrad erstanden wir bei einem Schrotthändler in Türkheim und Martin steuerte unter anderem Chromlüftungsschlitze aus seinem reichhaltigen 123-Fundus bei. Die vordere Stoßstange wurde gegen ein rostfreies Exemplar ausgetauscht. Alle Scheibengummis wurden gegen neue ersetzt. Zudem die Zentralverrieglung auf Dichtheit überprüft. Bei den vorderen Blickern entschieden wir uns für weisse Exemplar, statt hellleuchtender orangefarbenen. Die Breitbandscheinwerfer erhielten ein leuchtstärkeres Inneres, ebenso, wie das "Mäusekino" der Cockpit-Beleuchtung. Der Austausch des Nebelrücklichtes war erforderlich. Der Heckklappe verpaßten wir fabrikneue Dämpfer, anstelle der alterslahmen (sehr lohnend und inklusive "Aha-Effekt").

Lenkungsspiel und flammneues Zündschloss

w123er mit Lenkungsspiel bieten wenig Fahrfreude, sofern man moderne Fahrzeuge gewohnt ist. Glücklicherweise wurde der Aus-tausch des Lenkgetriebes nicht notwendig, da es sich regulieren ließ. Allerdings befand sich das Zündschloss in einem beklagenswerten Zustand. Zu meinem Erstaunen ließ sich ein neues Zündschloss inklusive Zündschlüssel bei Mercedes nachbestellen. Dies gilt für viele Ersatzteile, wenngleich nicht für alle. „Onkel Tom“ erhielt auf diese Weise ein fabrikneues Heckschloss, Heckklappendämpfer, Gasdruckgeber der Niveaureglung, Spurstangen und vieles mehr, was den Umfang dieser Beschreibung sprengen würde.
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Martins Meisterstück – der TDT-Motor

Jemanden ausfindig zu machen, der in der Lage ist, einen w123er Turbodiesel-Motor in jedes seiner Bestandteile zu zerlegen (und wieder funktionierend) zusammen zu bauen, gestaltet sich langwierig. Martin tat es. Das Resultat ist beeindruckend: Als ich den Motor nach der Generalüberholung im ausgebauten Zustand sah, verschlug es mir zunächst die Sprache. Die „Bildergalerie“ hält unter „Motor“ einige eindrucksvolle Impressionen bereit, die erahnen lassen, wie viele Arbeitswochen aufgewendet wurden, um ein solches Ergebnis zu erzielen. Nachdem der Motor eingebaut und eingestellt war, nahm Martin eine Hochglanz-Konservierung vor, die den oberflächenbehandelten Motorblock und die Aggregate dauerhaft konservieren.

vorher
 
nachher

Vorher

 

Nachher


Sitze des Grauens

sitze Die blauen Ledersitze, eine Siebensitzer-Ausstattung mit drei Rück-sitzbank-Kopfstützen, sah äußerlich perfekt aus, was mich zum Kauf des 280ers bewog. Weder waren die Sitzflächen übermäßig durchgesessen, noch wiesen sie extreme Gebrauchsspuren auf. Einzig störte eine Deformierung an der rechten Fahrersitzseite den guten Allgemeinzustand. Um diesen Mangel auszubessern, entschieden wir uns, die Sitze bei einem Sattler in Ordnung bringen zu lassen. Nachdem dieser das Leder entfernt hatte, bot sich wahrlich ein Bild des Grauens. Wer sich dafür interessiert, wie
das Innenleben von 20 Jahre alten w123er Sitzen präsentiert, ist eingeladen einen Blick in die Bildergalerie zu wagen. Die Suche nach einer einzelnen blauen Mittelarmlehne gab ich nach einjähriger, ergebnisloser Suche auf. Kurzerhand wurde schließlich eine MB-Tex-MAL mit neuem blauen MB-Original-Leder überzogen.

Kilometerstand „Null“

Im Dezember 2004 war es schließlich soweit: Nach dem Einbau eines schadstoffreduzierten Wurm-Kats sowie einer neuen Auspuffanlage, nahm Martin die finalen Einbauten vor. Das Polieren der zahlreichen Chromteile und deren Anbringung während der Endmontage hat enormen Spaß gemacht. Tag für Tag näherte sich der Turbodiesel inzwischen wieder einem straßentauglichen Zustand. Die Montage eines modernen Blaupunkt-Radios, üppig dimensionierter Blaupunkt-Lautsprecher, nebst einer elektrischen Hirschmann-Antenne, wurde vorgenommen.
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Schon bei der ersten Probefahrt präsentierte sich der von Grund auf überholte Turbolader-Motor in Bestform. Die Feinabstimmung der Getriebeeinstellungen begleitete der Einbau von Chromtachoringen, die dem Cockpit neben dem Dieseldrehzahlmesser zu einer edlen Innenoptik verhelfen. Statt der ursprünglichen 316.000 Kilometer zeigt der Kilometerzähler im Januar 2005 nunmehr wieder jungfräuliche 000.000 Kilometer an. Um die Karosserie vor Korrosion zu schützen trugen wir einen Wachs-Unterbodenschutz auf, der die Hohlräume einbezog.


Leidenschaft versus Wirtschaftlichkeit

Insgesamt verschlangen die Restaurationsarbeiten mehr das Zehnfache des Kaufpreises. Neben vielen Arbeitsstunden, unzähligen Recherchestunden und den hohen Investitionen hat mich das „Abenteuer w123“ einer interessanten Szene näher gebracht; in der sich außergewöhnliche Individualisten tummeln, von denen ich inzwischen den ein oder anderen sogar als Freund gewann.

Diese Begegnungen möchte ich nicht missen. In diesem Sinne wünsche ich allen w123er-Fans und jenen, die es werden wollen, viel Spaß beim Ausleben ihrer ganz persönlichen MB-Youngtimer-Leidenschaften.




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